Bei Borussia Dortmund wird Fitness offenbar längst nicht mehr nur auf dem Trainingsplatz gemessen. Unter Trainer Niko Kovač spielt die tägliche Überwachung des körperlichen Zustands eine wichtige Rolle. Bluttests, Speichelproben, Handkraftmessungen und weitere Daten sollen dabei helfen, Belastungen frühzeitig zu erkennen und Verletzungen möglichst zu vermeiden.
Seit Kovač im Februar 2025 das Traineramt beim BVB übernommen hat, soll sich die Zahl der Verletzungsfälle laut einem Bericht der „Bild“ deutlich reduziert haben – demnach um rund 60 Prozent. Ob diese Entwicklung ausschließlich auf das Fitnesskonzept zurückzuführen ist, lässt sich allerdings nicht eindeutig feststellen. Klar ist jedoch, dass Prävention beim Dortmunder Trainerteam einen hohen Stellenwert besitzt.
Ein wichtiger Bestandteil des Programms sind regelmäßige Speicheltests. Der BVB arbeitet dabei mit biometrischen Daten, die Hinweise auf Stress, Erholung und mögliche Infektionen geben können. Nach Angaben des „kicker“ werden bei den Tests zahlreiche Biomarker untersucht. Die Proben können mehrfach pro Woche genommen werden und ergänzen andere medizinische und sportwissenschaftliche Messungen.
Auch Blutuntersuchungen gehören zum Konzept. Dabei werden unter anderem Werte betrachtet, die Hinweise auf muskuläre Belastung, Entzündungen oder andere Veränderungen im Körper geben können. Entscheidend ist nicht unbedingt ein einzelner Wert, sondern die Entwicklung über einen längeren Zeitraum. Veränderungen können dem Trainer- und Medizinteam helfen, die Belastung eines Spielers entsprechend anzupassen.
Interessant ist zudem der sogenannte Handkrafttest. Die Kraft beim Händedruck kann als zusätzlicher Hinweis auf Erholung und Ermüdung dienen. Ein ungewöhnlicher Rückgang kann darauf hindeuten, dass ein Spieler stärker belastet oder möglicherweise geschont werden sollte. Ergänzend fließen Herzfrequenzdaten sowie Angaben zu Schlaf und Ernährung in die Bewertung ein.
Das Ziel des gesamten Systems ist eine individuellere Trainingssteuerung. Nicht jeder Spieler reagiert gleich auf Belastung, Reisen, Spiele oder intensive Trainingseinheiten. Durch die Kombination verschiedener Daten kann das Trainerteam versuchen, die richtige Balance zwischen hoher Leistungsfähigkeit und ausreichender Regeneration zu finden.
Gerade in einer Saison mit Bundesliga, Pokal, internationalen Wettbewerben und Länderspielen ist diese Balance entscheidend. Muskelverletzungen lassen sich dadurch möglicherweise reduzieren, während strukturelle Verletzungen wie Kreuzbandrisse trotz moderner Prävention weiterhin nur begrenzt vorhersehbar sind.
Kovač setzt damit auf ein Prinzip, das im modernen Profifußball immer wichtiger wird: Nicht erst reagieren, wenn ein Spieler verletzt ist, sondern möglichst früh erkennen, wann sein Körper Warnsignale sendet. Beim BVB werden dafür inzwischen zahlreiche Informationen gesammelt und gemeinsam ausgewertet.
Die strengen Regeln mögen für Außenstehende ungewöhnlich wirken. Für Dortmund geht es jedoch um einen klaren sportlichen Faktor: möglichst viele Spieler sollen über eine lange Saison hinweg gesund, belastbar und leistungsfähig bleiben.