MOUSSA DIABY IST ZURÜCK – KANN ER BAYER LEVERKUSEN HELFEN, BAYERN WIEDER DEN TITEL WEGZUSCHNAPPEN?
Es hat etwas fast Poetisches, dass Moussa Diaby zu Bayer Leverkusen zurückkehrt.
Drei Jahre nach seinem Abschied von der Werkself ist der französische Flügelspieler wieder zurück in der BayArena – älter, erfahrener und vermutlich besser auf die Anforderungen des Spitzenfußballs vorbereitet. Leverkusen hat seine Rückkehr von Al-Ittihad bestätigt. Der 27-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2031. In seiner ersten Zeit bei der Werkself erzielte Diaby in 172 Spielen 49 Tore und bereitete weitere 47 Treffer vor.
Und ganz ehrlich: Das könnte einer der cleversten Transfers sein, die Leverkusen seit Jahren getätigt hat.
Nicht, weil Diaby Leverkusen im Alleingang zum Meister machen wird. Das wird er nicht. Sondern weil er genau das mitbringt, was Leverkusen dringend benötigt: Tempo, Unberechenbarkeit, Direktheit und die Fähigkeit, aus einer gewöhnlichen Offensivaktion innerhalb weniger Sekunden eine gefährliche Situation zu machen.
Der erste Spieltag hat bereits gezeigt, warum Verstärkungen notwendig sind. Leverkusen kassierte eine überraschende 2:3-Niederlage beim Aufsteiger SV Elversberg. Die Werkself lag zwischenzeitlich sogar mit 0:3 zurück, bevor sie noch einmal zurück ins Spiel fand.
Das ist natürlich nicht der Saisonstart, den man sich in Leverkusen vorgestellt hat.
Aber es wäre genauso falsch, die Mannschaft deshalb bereits abzuschreiben.
Der größte Grund für Optimismus ist Diabys Vertrautheit mit dem Verein. Er kommt nicht nach Deutschland, um erst einmal monatelang die Liga, die Kultur oder die Erwartungen kennenzulernen. Er kennt Leverkusen. Er kennt die Bundesliga. Und noch wichtiger: Er weiß, wie es sich anfühlt, in diesem Trikot gefährlich zu sein.
Dieses Mal kehrt er jedoch mit etwas zurück, das er mit 20 oder 21 Jahren noch nicht hatte: Erfahrung.
Und genau diese Erfahrung könnte Leverkusen im Titelkampf benötigen.
Denn Bayern München bleibt der klare Favorit. Die Münchner verfügen mit Harry Kane, Luis Díaz und Michael Olise über eine Offensive, die auf dem Papier schlicht brutal aussieht.
Kann Leverkusen also die Saison 2023/24 wiederholen?
Nein. Zumindest nicht auf dieselbe Art und Weise.
Diese Mannschaft war außergewöhnlich. Xabi Alonsos Team absolvierte die komplette Bundesliga-Saison ohne Niederlage, gewann 28 von 34 Spielen und schrieb als erste Mannschaft der Bundesliga-Geschichte eine Saison ohne Niederlage. Dazu kamen der DFB-Pokal und der Einzug ins Europa-League-Finale.
Es wäre unfair, von der aktuellen Mannschaft zu verlangen, dieses Kunststück zu wiederholen.
Aber können sie wieder deutscher Meister werden?
Absolut.
Der Unterschied ist: Dieses Mal müssen sie nicht unbesiegbar sein. Sie müssen einfach konstant sein.
Diaby gibt Leverkusen eine weitere Waffe. Mit seinem Tempo kann er gegnerische Abwehrreihen auseinanderziehen und Räume für die Mittelfeldspieler und Stürmer schaffen. Gleichzeitig besitzt er die individuelle Qualität, mit einem einzigen Dribbling ein Spiel zu verändern.
Und vielleicht noch wichtiger: Seine Rückkehr sendet eine klare Botschaft.
Leverkusen baut nicht einfach nur eine Mannschaft auf. Die Werkself will wieder ganz oben angreifen.
Bayern ist der Favorit. Dortmund wird mitreden wollen. Auch Leipzig und andere Teams werden ihre Chancen suchen.
Doch wenn Diaby schnell wieder seinen Rhythmus findet, verletzungsfrei bleibt und die Explosivität zurückbringt, die ihn einst zu einem der gefürchtetsten Flügelspieler Deutschlands machte, würde es mich nicht überraschen, wenn Leverkusen diesen Titelkampf tatsächlich spannend macht.
Sie werden das Wunder von 2023/24 wahrscheinlich nicht wiederholen.
Aber das müssen sie auch gar nicht.
Sie müssen einfach wieder das werden, was sie damals so besonders gemacht hat:
Bayer Leverkusen.
